KASPAR MOOSBRUGGER AN FRANZ MICHAEL FELDER

lfndenr: 
189
9. Mai 1866

Lieber Freund!

Da mein Bruder Pius nicht mehr in Au sein dürfte, will ich Dir den Erfolg meiner Rekurse wegen der Gebührenbemessung über unser Krumbach mitteilen, und Du magst dann meinen Geschwistern die Sache sagen. Ich habe vollständig gesiegt. Die Finanzlandesdirektion hat die vom Steueramt in Bezau und von der Finanzbezirksdirektion Feldkirch bemessene Gebühr von 49 Fl. 50 Kr.Ö.W. auf 21 Fl. 10 Kr. - einundzwanzig - herabgesetzt, wie ich es verlangt habe. Ich habe also 28 Fl. 40 Kr.ö.W. ziemlich leicht verdient und dazu noch die Ehre, gesiegt zu haben. Ich zahle heute die neue schuldige Gebühr ein und mein Guthaben beziffert sich mit Hinzuschlag der zu den Rekursen verwendeten Stempel und Papier auf 22 Fl. 50 Kr., es trifft daher jedem Geschwister 2 Fl. 50 Kr.Ö.W. zu zahlen, die mein Bruder Jakob von Euch Ausgeheirateten einheben mag. -

Der Kurs steht bereits auf 29 und Aussicht, daß er sobald nicht mehr herabgeht. Die Bauern und Gesellschaften, die nur einen Betrieb in Händen haben, können sich denselben zu Nutzen machen. Bruder Jakob soll dies in Rechnung brin­gen.-

Dem Elsensohn wirst Du vielleicht nicht mehr schreiben müssen, da er wahrscheinlich bald heimkommen wird, da in sächsischen und schlesischen Landen nun der Kriegstanz be­ginnen wird und die Lehranstalten geschlossen werden. Ich habe heute mit Dr. Bickel wieder eine Maß Wein gewettet, daß binnen acht Tagen die Preußen und Österreicher in Sachsen einrücken, und glaube, daß ich gewinne. Die heutige Sitzung in Frankfurt wird vielleicht die letzte des deutschen Bundes in seiner dermaligen Organisierung und Machtver­teilung sein, derselben wird der Krieg folgen. ­Die Hauptleute der Landesschützen müssen diese Tage nach Innsbruck, und bis Ende dieses Monats müssen die Landes­kompagnien zusammengestellt sein und beginnen die Waf­fenübungen. Für die hiesige Kompagnie langen heute die Waffen und 16.000 scharfe Patronen ein. ­Der Bezirksvorsteher erzählt mir jetzt gern von seiner Amtie­rung in Bezau und meint, wenn Du in Deinem neuen Werk nichts von dem Straßenbau und den bezüglichen Streitig­keiten erzählst, sei Vieles nicht drin, was hinein sollte. Mir scheint, er möchte etwas Gutes von sich in Deinem Buch finden. - Herr Hildebrand und Leipzig werden leider bald in preußische Hände geraten, aber bei jetziger Art der Kriegs­führung wird der Beschäftigung der Gelehrten schwerlich viel Eintrag geschehen und Dein Buch wird doch befördert wer­den, der Leser aber wird es vorläufig wenigere finden, doch hierüber wirst Du von Leipzig Besseres erfahren. ­Gleich nach Pfingsten wird meine Familie nach Warth und Krumbach wandern, und Du magst sie dort anmelden. Ich werde etwas Geld mitbringen. Im übrigen grüße ich Euch alle freundlichst und freue mich auf ein baldiges Schreiben. Dein Freund

K. Moosbrugger