VON SALOMON HIRZEL AUS LEIPZIG

lfndenr: 
267
12. Dezember 1866

Sehr verehrter Herr Felder!

Selten ist wol ein armer Sünder mit so schwerem Herzen zur Beichte gegangen, als ich heute vor Ihnen erscheine. Hoffent­lich hat unser gemeinschaftlicher Freund, Hr. Dr. Hildebrand, dann und wann ein Fürwort für mich eingelegt, und da ich auch heute unter seinem schützenden Geleite zu Ihnen komme, so werden Sie mich nicht zurück weisen wollen. Als ich Ihren freundlichen Brief erhielt, war ich gerade von schwerem Familienleid betroffen, das mich ganz in Anspruch nahm und keine geschäftlichen Gedanken aufkommen ließ. So mußte ich Ihr Manuscript für einmal bei Seite legen, dachte aber nicht daß es so lange liegen bleiben müßte, denn wer sah die Zeiten, die bald darauf folgten, voraus? Über den ungeheuren Ereignissen, die einen Monate lang in Athem erhielten, lernte man wol vergessen, an sein eigenes geringes Dasein zu denken, und in so fern ist die gewaltige Zeit auch mir persönlich zu gute gekommen. Aber als man dann endlich auch sich seines Berufes wieder erinnerte, - ja da war es, als ob kein Buchhandel mehr existirte. Niemand kaufte ein Buch, es war auch kein Geld im Land, und Bücher sind den reichen Leuten ein Luxusartikel. Da wurde man auch zaghaft, neue zu drucken, denn was hilft es, die Bücher zu drucken, wenn keine Käufer, also auch keine Leser da sind?

Aber schreiben hätte ich Ihnen sollen, das fühle ich wohl, und daß ich es immer aufgeschoben, trotz Hildebrands unermüd­lichen, oft von Blicken des Unwillens begleiteten Erinnerun­gen, dafür muß ich Sie sehr um Verzeihung bitten. Nun aber von Ihrem Werke. Wir wollen es mit gutem Muth in die Welt schicken, und ich werde das Vertrauen, das Sie mir erweisen, nicht zu Schanden machen. Was ich Ihnen dafür bezahlen kann, sind Zweihundert Preußische Thaler. Lassen Sie mich wissen, ob Sie damit einverstanden sind. Unterdes­sen lasse ich den Druck anfangen, der im Frühjahr beendigt sein kann.

Wenn sich etwa ein Anstoß findet, so werde ich unsern ge­lehrten Freund zu Rathe ziehn.

Bleiben Sie mir freundlich  gesinnt und seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem ergebensten

S. Hirzel.