felderbriefe.at - Keil http://felderbriefe.at/taxonomy/term/360/0 de AN KARL PRÖLL IN GRAZ [FRAGMENT] http://felderbriefe.at/brief/karl-pr%C3%B6ll-graz-fragment <div>Datum unbekannt</div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>[...] Keil zahlt mir allerdings für den Bogen 100 Fl, doch das ist ihnen nicht möglich. Sie kennen aber meine Lage und wer­den mir gern ein längeres Zusammenwirken möglich machen wollen. [...]</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Karl Pröll Keil felderbriefe.at newsletter Mon, 02 Sep 2013 07:00:00 +0000 st 416 at http://felderbriefe.at VON RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/von-rudolf-hildebrand-29 <div><span class="date-display-single">15. Mai 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber, theurer Freund im ruhmvollen Exil,</p> <p>Ich komme heute schon wieder brieflich. Schriebe ich doch gerade jetzt lieber alle Tage an Sie nach Bludenz, wie ich alle Tage, ja fast den ganzen Tag außer den Arbeitsgedanken an Sie denke. Ich habe Einiges zu berichten, was hier seit meinem letzten Schreiben geschehen ist, darunter etwas Wichtiges, das ich doch auch gleich vorausnehmen will. Am Montag war ich in Ihrer Angelegenheit auch bei Freytag, der zum Glück eben hier ist. Er ist sonst mehr der Kühle, verständig Überlegene, hatte leider auch von den Sonder&shy;lingen erst den ersten Anfang gelesen (er list sie seiner Frau vor, daraus wird dann was er darüber in den Grenzboten melden muß), und von einer Wirkung war, mir begreiflich, noch nichts zu spüren - sie wird schon kommen. Aber ich fand doch ein entschiedenes Interesse für Sie, das durch Ihr Schicksal und Ihren Brief, den er ganz vorgelesen verlangte, sichtlich gesteigert und vertieft wurde. Seine Äußerungen nachher waren für mich zunächst verständig beruhigend. Er meinte, das Verhältniß zu Ihrer Gemeinde könnte man von hier aus doch nicht klar beurtheilen, geschweige denn richtig eingreifen; das würden ja Ihre dortigen Freunde besorgen. Er freute sich auch, von der angeknüpften Beziehung zu Sei&shy;fertitz zu hören, den er dem Namen nach kannte. Dazwischen bemerkte er übrigens, kühl wie er ist, aber entschieden: wenn erst wirkliche Gefahr für Sie wäre, die dort nicht zu heben wäre, so müßte man Ihnen natürlich von hier aus beisprin&shy;gen, und daran würde und dürfe es nicht fehlen. Er wünscht offenbar eine weitere gedeihliche Entwickelung Ihres literari&shy;schen Talents und ist bereit dazu zu helfen. Als im Briefe Ihre Andeutung kam, Sie möchten wol die Fluchtreise schildern, für die Gartenlaube, da bat er sich das für die Grenzboten aus, und ich soll Sie förmlich auffordern, einen Aufsatz von etwa 20-25 Seiten (es ist ordentliches, eher großes Octav&shy;format) zu schreiben, in zwei Nummern zu vertheilen, sodaß eine Biographie vorausgienge in kurzen großen Zügen und die Flucht mit den Ursachen sich daran schlösse - das Ganze zu dem Zwecke, daß Sie damit sich in den Kreis einführten, dem Sie ja doch nun angehörten, das war der Sinn seiner Worte.</p> <p>Ich habe ihm sofort freudig gedankt für den Antrag und rathe Ihnen darauf einzugehen (NB. er wünschte das so bald als möglich); denn damit treten Sie wirklich über die Grenze in den Kreis, der in unsrer schönen Literatur jetzt der gewähl&shy;teste ist und Ihrer der würdigste, auch der beste Durchgangs&shy;punkt zu - allem Weiteren. Ein Bauer in diesem Kreise, und zwar auf Aufforderung des Hauptes - unerhört! Ich gieng sehr froh von dannen. Schreiben Sie den Aufsatz nur um Himmels willen nicht irgendwie ängstlich oder auch nur be&shy;fangen vor exclusiver Kritik, schreiben Sie ganz nach Ihrer Natur, die in sich adelich genug ist, schreiben Sie wie Sie Ihre Briefe schreiben (für die Freytag sehr eingenommen ist), ich kann kaum erwarten, Sie in den Grenzboten zu sehen. Frei&shy;lich zahlen sie nicht 100 fl, für den Bogen, nur 12 Thaler. Vielleicht passen auch die Heilsgeschäfte für die Grenzboten, ich will sie darauf hin erst noch einmal lesen. &shy;Sonst noch Folgendes. Ich habe seit Sonnabend Tag für Tag hier von Ihrem Schicksal erzählt, es Wissens schon Hunderte, und viele sind warm ergriffen davon und bereit zu helfen; sind mir doch von mehr als einer Seite Geldmittel angeboten worden (unverlangt), wenn die nöthig werden sollten. Gestern Abend war im Germanistenclub (es waren eben 13 Mann beisammen) von Ihnen die Rede, ich las Ihren Brief vor; war der Meinung, Ihr Geburtstag sei am 18. Mai, daher die Glückwünsche aus dem Club, die Sie ja in Gedanken leicht auf den 13. zurück verlegen können, den ich heute zu spät als den rechten Tag entdeckte (eigener Weise ist auch mein Geburtstag ein dreizehnter). Also nachträglich auch meine herzlichsten Glückwünsche zu dem Tage, den Sie in der schmählichen Verbannung haben begehen müssen; ich wünsche, daß Sie übers Jahr an dem Tage mit freudig gehobe&shy;nem Gefühl an den Mai 1867 zurückdenken. Von Ihren Gegnern hätt ich mir für Ihren Geburtstag eins aufs innigste gewünscht: daß sie Ihre Sonderlinge verbrannt hätten! Der eine Umstand würde lange Artikel überflüssig machen. Mir gehts ohnehin im Kopfe herum, man dürfe den Vorfall nicht unausgebeutet lassen, um damit ein großes Loch zu bohren in die unselige Mauer die das katholische Deutschland von dem andern trennt. Hätt ich nur mehr Zeit! Noch etwas. Ein Mitglied des Germanistenclubs, Studiosus Döring aus Dresden, brachte mir ein Buchgeschenk für Ihren Geburtstag, den berühmten Zeitroman Simplicissimus aus dem 17. Jahrh. - aber ich kann das leider heute nicht gleich mitschicken, es gehört aber Ihnen und liegt bei mir und ich sehe es mit doppelter inniger Freude an. Im Club schwirrte gestern die Rede, daß Sie am Ende in einer der nächsten Wochen einmal unter uns säßen? Er tagt auf demselben (dem bairischen) Bahnhofe, auf dem Sie anlangen würden, und der nur zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt ist. Mich verlangt übrigens zu wissen, wie Sie sich befinden, zu&shy;mal Sie von Ihren lieben Kindern getrennt sind - sehen Sie sich als einen zur Geisterschlacht Einberufenen an, der als Sieger heimkehren wird. Mit Freudesgruß und - Freudeskuß</p> <p>Ihr R. Hildebrand</p> <p>Wärmste Grüße an Schwager und Schwester.</p> </div> <div> </div> Rudolf Hildebrand Leipzig Franz Michael Felder Bairischer Bahnhof Flucht Geburtstag Grenzboten Keil Wed, 15 May 2013 07:00:00 +0000 st 379 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-32 <div><span class="date-display-single">10. März 1867</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber Freund</p> <p>Ich kann heute so wenig zur Ruhe kommen als das Herr­mindle welchem - wie das Wible entschuldigend sagt - wie­der ein Paar Zähne kommen sollen. Es ist wirklich eigen wie der Mensch unruhig und aufgeregt wird wenn er - etwas Neues bekommt. Dann will er seine Lieben um sich haben wie jetzt mein kleines Kind seine Mutter. Ich erfuhr das im­mer, wenn ich einen Brief von Ihnen erhielt. Nur hab ich immer bedauert, nicht auch Ihnen einmal eine Freude machen zu können. Nun endlich, liebster Freund, endlich ist dieser Wunsch erfüllt, denn ich denke Sie und fühle Sie mir so nahe, so - eigen möchte das Wälderbäuerlein gern sagen, daß ich weiß: Meine Mittheilung wird auch Ihnen Freude machen.</p> <p>Heut hab ich einen Brief von Ernst Keil erhalten. Er schreibt: Vor einigen Tagen hab er durch einen glücklichen Zufall meinen Nahmen erfahren und daß ich ein Freund der Garten­laube sei. Er ersucht mich dann um Beiträge die er mit 100 fl a Bogen zu honoriren verspricht und bittet um baldige zu­stimmende Antwort.</p> <p>Auch das, lieber Freund, ist ein Wellenschlag von Ihrem Wurf! Nun denke ich zu antworten daß sich ein Aufsatz in Ihren Händen befinde, der vielleicht geeignet sein könnte, denn Sie werden nun „zum Angriff" meine Briefe bei Gosche nicht mehr nötig haben. Für die Zukunft verspreche ich mehr, denn immer noch sind bei den größeren Arbeiten auch so Bröcklein abgefallen, aus denen [sich] vielleicht etwas Ordent­liches geschnitzt werden könnte.</p> <p>Seit meiner etwas lebensgefährlichen Heimreise von Bludenz sitze ich unermüdet im Zimmer bei Feder und Buch, lasse all die politischen und socialen Fragen beantworten wer will und kann, denn ich hab jetzt mit den Helden meines jetzigen Werkes zu thun, die ich schon etwas genauer kennen lerne. Mein kleines Zimmer und meine Arbeit in diesem werden mir immer lieber. Zwar hab ich meine „Schreiberei" nie als „Handwerk" betrachtet, doch wenn sie auch für mich wenig­stens einen silbernen Boden haben wird, so werde ich doch mit Freuden die meinen etwas schwachen Körper allzusehr anstrengenden s g Würgerarbeiten, Holzziehen udgl einen Tagwerker verrichten lassen da solche hier für 7 Ngr. leicht zu bekommen sind. Ich selbst habe früher für diesen Lohn allerlei gethan nur um die Klassiker und die Gartenlaube zu verdienen. Der aus der Allgemeinen auch in unsere Blätter gekommene Artikel hat mir manchen zugeführt der dem s g Erfolg nachgeht, aber es ist darüber auch, großes Wehklagen entstanden in Israel. Jetzt soll ich gar der Verfasser der „ver­dammten deutschkatholischen Klarstellung" sein, der Pfarrer von hier hat schon Predigten gegen mich und die erfreulich gedeihende Bücherleihanstalt gehalten, doch er klagte letzt­hin es sei nichts mehr zu machen denn die ganze Gemeinde halte jetzt zusammen und zu mir, früher wäre das ganz an­ders gewesen.</p> <p>Doch genug hievon für heute.</p> <p>Sie haben mir eine schöne Zukunft eröffnet. Ich werde Ihnen ewig dankbar sein und werde werth zu sein suchen der Hand, die mich hält und führt, während andere mir Gruben graben, mich zu schreken oder zu verloken suchen und mir nur dar­um nicht schaden, weil Sie mich halten und führen. Ich hoffe, daß Sie den Kreis in dem ich lebe, gut genug kennen, um das nicht etwa für eine Schmeichelei zu halten. In den Kämp­fen und Nöthen dieses Jahrs war ich wol versunken, wenn nicht Sie mir festen Boden verschafft hätten. Ich danke dem Himmel daß er mich zu Ihnen führte. Von meinem neuen Werke hoffe ich Ihnen im Sommer schon einiges vorlegen zu können. O wir alle freuen uns recht von Herzen auf die Wochen, die Sie hier verleben werden. Könnten Sie nicht auch etwa Eins der Ihrigen mitbringen, Vielleicht Ihre Tochter? Ich bitte, mir sie und alle recht herzlich zu grüßen. Bei Keil werde ich Sie melden, Sie können ihm dann meinen Aufsatz zustellen wie und wann Sie es für gut halten. Mit tausend herzlichen Grüßen</p> <p>Ihr ewig dankbarer F M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Flucht Israel Keil Klarstellung felderbriefe.at newsletter Sun, 10 Mar 2013 08:00:00 +0000 st 362 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-24 <div><span class="date-display-single">24. Oktober 1866</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <p>Lieber verehrter Freund!</p> <p>Vor etwa 6 Wochen habe ich Ihr werthes, für mich in jeder Beziehung erfreuliches Schreiben vom 1 September beant­wortet und wenn ich mich nun wieder an Sie wende, ohne länger auf ein Schreiben von Ihnen zu warten, so sind es weniger die Besorgnisse um die Ihnen damals für die Garten­laube übersendete Reisebeschreibung und andere Schreibe­reien als das Bangen beim Lesen der Zeitungsberichte über den in Leipzig herrschenden Gesundheitszustand. Ich möchte so gern bald vernehmen, Sie und all Ihre Lieben befänden sich recht wohl, daß Sie mich entschuldigen müssen, wenn ich jetzt an Sie schreibe obwol ich weiß, daß Sie jetzt ohne mich genug zu sinnen und zu sorgen haben. Zu dem Ihnen hoffentlich zugekommenen Aufsatz liegt auch eine Zeichnung (Ansicht von Schröken) hier, die ich Ihnen nächstens übersende, wenn ich Ihr Urtheil oder Keils Be­schluß erfahren habe und es alsdann noch für nötig halten sollte.</p> <p>Ich werde nun bald wieder etwas mehr freie Zeit haben als in den letzten Wochen wo es für das Bäuerlein noch so man­ches zu thun gab. Nun wird auch die Agitation für das Ver­einswesen wieder beginnen und ich hoffe zuversichtlich Ihnen bald Erfreuliches melden zu können. Auch neue Samm­lungen von Sprachspähnen werde ich übersenden; ich finde auch in den Gedichten Walthers von der Vogelweide man­ches mir wohlbekannte Wort, und ich wünschte mir wie bisher nur mehr freie Zeit, da auch meine Sammlung beim Lesen dieses kernigen Dichters sich bedeutend bereichern wird. Ich liebe den wakern in dem ich so viel fast möchte ich sagen nachbarliches finde. Ich habe nämlich schon gefunden, daß nicht nur ich sondern auch andere Wälder sich bei ihm wie daheim fühlen. Meine Landsleute würden ihn schneller fas­sen als die neuen Dichter. Mehr davon werde ich Ihnen schrei­ben, wenn ich einmal weiter gelesen habe. Vielleicht können Sie mir auch bald mittheilen ob Sie noch keine Literaturzeitung für mich „ergatterten". Ihre Auslagen würde ich dankbar vergüten. Ich erlaubte mir, Sie zu fragen und zu plagen, weil ich nach Lesung Ihres so freundlichen Antrages diese Blätter abbestellte und mir für das so erübrigte Geld andere Bücher angeschafft habe.</p> <p>Die besprochenen Nummern der Flensburger Zeitung werde ich mit der eben erwähnten Zeichnung oder sonst übersen­den. Ihren Gruß an meinen Freund Moosbrugger in Bludenz hab ich mit Freuden ausgerichtet und er hat mich gebethen, ihn herzlich dankend zu erwiedern.</p> <p>Und nun genug für heute! Stil und Schrift zu entschuldigen, muß ich bemerken, daß ich in einer schlaflosen Nacht schreibe.</p> <p>Mit den herzlichsten Grüßen von mir und den Meinen und mit den besten Wünschen für Sie und Ihre Lieben Ihr ewig dankbarer Freund</p> <p>Franz M Felder</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Gartenlaube Gesundheit Keil Reise auf den Tannenberg Schreibsituation Vereinswesen felderbriefe.at newsletter Wed, 24 Oct 2012 07:00:00 +0000 st 322 at http://felderbriefe.at AN RUDOLF HILDEBRAND http://felderbriefe.at/brief/rudolf-hildebrand-21 <div><span class="date-display-single">24. Juli 1866</span></div> <div class="fieldtitle"> <div class="teaser"> <div> <p>Verehrtester Herr Hildebrand!</p> <p>Da ich zweifle, ob Sie mein letztes Schreiben erhielten, hab ich seitdem mehrmals, doch leider stets vergebens, Briefe an Sie zu befördern versucht. Nun hab ich mich an Herrn Buchhändler Stettner in Lindau gewendet um Ihnen wenig­stens die nötigsten Antworten auf die in Ihrem Letzten an mich gestellten Fragen zukommen zu lassen. Ich würde es mehr bedauern wenn Sie dieselben nicht erhalten hätten, als wenn der leicht wieder herzustellende Bogen mit weitern Wörtern verlorengegangen wäre. Also zur Sache:</p> <p>Klipso mit einem s Klips Klipslar<br />Griffel mit dem F von Griffel, rechnen Griffeln<br />Echo - das Widergeben es widergibt.<br />Klammoro / klammer, etwas sich anklammerndes besonders<br />1) die Waldameise (daher auch Klammernhaufen)<br />2) ein eiserner Hacken.</p> </div> <div> <p>Lauine wird hier ohne das We ausgesprochen. Der Tannber­ger (Walliser) sogar sagt: d Lauolo und meint, das Wort komme von der lauen Luft, in der die Lauine entsteht eine in kalter Luft entstehende L. nennt man Staub.<br />Klamperle, einem ein - anhängen, wir sagen: Einem einen Schlätterling anhängen, das heißt: Böses oder dummes von ihm sagen um lächerlich zu machen, trotzig antworten.<br />Schlättoro heißt schleudern, rasch hin und her bewegen, schlottern, Schlättorling, der Rest Schwanz eines zusammen­geknöpften Seiles, das Nachgezogene der Anhängsel<br />(der) Klumpo großer Bissen<br />(der) Klungol, ein Knäuel wie Gotthelfs Wörterbuch<br />„i d Klamporo" in die Enge Verlegenheit kommen.</p> <p><br />Den von Ihnen mir zugesendeten Apetitsbissen hab ich ver­schlungen und bin nun ordentlich hungrig worden so daß ich gleich die von Pfeiffer herausgegebnen Klassiker des Mit­telalters bestellte. Das Nibelungenlied kenne ich bisher nur durch Simrock, nun aber möchte ichs in der der unsern so nahe verwandten Sprache lesen. Wenn Sie mir in ruhigem Zeiten die Zeitschriften von Leipzig verschaffen könnten so würde mir das sehr lieb sein wenn ich sie auch gelesen er­hielte. Unsere Post geht so langsam, daß ich doch nur Ver­altetes erhalte. Vielleicht wird das nun anders. Es ist mir ge­lungen, die Rößlewirtin in Au zu bereden, daß sie nun täg­liche Fahrpost bis hieher zu errichten gedenkt. Ihnen geht [es] dabei nicht gut, da ich Sie dann noch öfter in Anspruch nehmen werde. Seit ich an Sie schreiben darf, ist mir ein ganz neues Leben aufgegangen. Vor einigen Wochen hab ich 2 Nummern der Norddeutschen Zeitung erhalten in denen ich einen kurzen Abriß meines Lebens fand. Ich bitte, mir den Verfasser jenes Artikels freundlich zu grüßen auch können Sie ihm mittheilen, daß ich nie in der Fremde war. Wenn der Vorarlberger d h der ächte Deutsche, sich seinem Nachbarn gegenüberstellt, so meint er nur den verbrixnerten Tiroler, und solche sind leider auch hier gar nicht so selten besonders unter den jungen Geistlichen, deren Vorbild ich ohne an den oder jenen zu denken, in den Sonderlingen zu zeichnen versuchte. Wir in Schoppernau hatten früher einen Tiroler als Pfarrer dem wir sehr viel verdanken, während jetzt ein Landsmann gar wunderlich wirthschaftet und mich im letz­ten Frühling von der Kanzel aus verhaßt zu machen suchte. Wenn einmal die Bauern mein Buch lesen, werden sie darauf wetten daß ich es ganz in diesem Sommer schrieb, so ganz hat meine Dichtung, sobald sie vollendet war, zur Wahrheit werden sollen. Doch, hievon ein andermal! Mit meinen Brie­fen machen Sie wie es Ihnen gut dünkt, doch glaube ich daß jetzt ein Aufsatz in der Europa ziemlich unbeachtet bliebe. Wenigstens hier hört man nur noch vom Krieg. An Sonntagen ist mein Arbeitszimmer voll Bauern die die Zeitungen lesen u die Landkarte studiren. Ich wollte, Sie könnten die Leute sehen und hören. Jetzt ist man nicht mehr so gleichgültig wie 1859. Sie haben aber doch Recht, Franz sollte die Zei­tungen wenigstens zuweilen erhalten. Auch sonst möchte ich Ihre werthen Bemerkungen benützen und bitte daher mich zu benachrichtigen ob das nicht noch während des Drucks geschehen könnte wie beim Schwarzokaspale wo ich die Corektur selbst las und beliebig änderte. Sie schrieben mir, daß Hirzel ein schweres Leid erfahren habe. Ich möchte gern etwas mehr davon wissen wenn es mir auch weh thun wird. Ich bitte, mir ihn recht freundlich zu grüßen. Die Heuernte ist nun vorüber und ich hätte Zeit mit Ihnen die Berge zu besteigen denn zum Dichten hab ich keine Lust. So hab ich denn eine Reise auf den Tannberg, einen noch nie geschilderten Strich Landes, zu beschreiben angefangen. Vielleicht würde diese Schilderung meiner Nach­barn sich für die Gartenlaube eignen. Zwar die Landschaftsmalerei ist, wie Sie schon bemerkt haben werden, nicht mein Fach, aber auf einer Winterreise gibts auch für den Scharf­sichtigsten mehr zu hören als zu sehen. Wenn Sie glauben, daß meine Arbeit Aufnahme finden könnte, so werde ich sie an Sie oder Herrn Ernst Keil in Leipzig übersenden. Die gewünschte Photografie werde ich&nbsp; übersenden sobald ich weiß, daß Sie dieselbe auch erhalten werden*), es würde mich ungemein freuen, bald einmal wider etwas von Ihnen zu hören wenn es Ihnen möglich wäre Briefe an Hrn Stettner in Lindau zu bringen der dieselben gewiß überschicken würde. Die Meinen sind wohl und lassen Sie und die werthen Ihri­gen recht herzlich grüßen. Nächstens in hoffentlich ruhigem Tagen mehr. Es grüßt Sie und all die deutschen Brüder im Norden hochachtungsvoll</p> </div> <p>Ihr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> <p style="text-align: right;">Franz M Felder</p> <p>*) Ich habe sie beigelegt und hoffe bald zu erfahren daß Sie dieselbe richtig mit diesem erhielten</p> </div> <div> </div> Franz Michael Felder Schoppernau Rudolf Hildebrand Keil Krieg Mundart Projekt Wörterbuch Tue, 24 Jul 2012 07:00:00 +0000 st 312 at http://felderbriefe.at