FRANZ MICHAEL FELDER AN KASPAR MOOSBRUGGER

lfndenr: 
509
18. März 1868

Lieber Freund!

Heut einmal vorerst Geschäftliches. In Beiliegendem findest Du die Geschichte des väterlichen (resp. großväterlichen) Vermögens Deiner Basen, der Kinder der Hebamme in Au.

Der Kaufvertrag verfügt über ein Anwesen  im Werte von mindestens fünftausend Gulden. Eine Frage, ist dieser Kauf gültig? Ich fürchtete ja, doch höre:

Es ist nicht zu erweisen, daß Gottfried Elmenreich sein mütter­liches Vermögen erhielt. Die Stelle im Kauf Seite 2 „Das An­wesen ist sein durch Übernahme" besagt noch nichts, da sie nirgends zu erweisen ist. Haben aber die Kinder des Gottfried noch ihren 1/4 von der Großmutter auf dem Anwesen, so konnte selbes auch nicht so veräußert werden. Auffällig ist freilich, daß der Vater dem Gottfried bei seinem Ableben noch (?) hundert Gulden schuldet. Aber diese 100 Fl. können so gut als der Rest des Kapitals auch die Zinsen des­selben sein. Die Hebamme sagt: Außer diesen 100 Fl. hätte der Mann nichts von daheim erhalten. Er habe ihr keine Schulden abbezahlt, sondern das Gegenteil. Ich glaube, Gott­frieds Kinder können das großmütterliche Erbe noch fordern, da ihnen aber das Anwesen mit eingeantwortet ist, so kann der Kauf für ungültig erklärt werden. Ich habe eine Abschrift der Akten verlangt und sende sie Dir mit der Bitte, sie mir bald mit Deiner Meinung zu schicken, da nächstens Tagfahrt ist. Meräudlarle möchte aber bald erfahren, wie viel die Massenverwaltung noch zahlt. Es wartet mit Schmerzen auf den ihm zugesprochenen Teil eines Guthabens eines seiner Gläubiger.

Was sagst Du, daß ich die Heldin meines Romans vor dem Leser beichten lasse? Die Schilderung ist so, daß die Einrich­tung der Beichte gelobt, der Beichtvater jedoch getadelt wird und gezeichnet als ein Mann, gewohnt zu herrschen und ohne Menschenkenntnis und Milde. Ich bin jetzt am fünften Kapitel des zweiten Bandes, hab also noch acht Kapitel zu schreiben, bevor ich mich ernstlich auf etwas anderes werfe. Der bei­liegende Artikel ist viel besser als der im Wanderer, der mich gar nicht freut. Bringt die Presse keinen Auszug? Die Neue Freie Presse scheint auf mich sehr böse zu sein, mir geht es mit ihr nicht besser. Aufsehen macht jetzt auch hier die Haltung des Volksblatts. Es wurde verglichen mit Pater Abra­ham, welcher in einer Predigt die Alten zum Weinen und die Jungen zum Lachen bringen wollte, daher er über Erziehung predigte und furchtbar stampfte, während er hinten am Rock zum Ergötzen der lieben Kleinen einen Fuchsschwanz ange­bunden haben soll. Dieses Doppelwesen will man auch im Volksblatt jetzt finden. Der erste Teil des Blattes, der sich gegen die Großen kehrt, eine ernste würdige Predigt, dann gegen die lieben Kleinen der Fuchsschwanz. Der Witz ist nicht so übel. Mir wollen die Mitteilungen auch noch nicht ein. Die Schoppernauer und Auer lachen, daß das Blatt frei­maurerisch werde, d. h. gerade so rede, wie man es lang schon von mir hörte. Es ist ziemlich gewiß, obwohl noch nicht bekannt, daß Pfarrer Birnbaumer nach Au kommt. Ich bin begierig, wie sich der zu mir und zu Rüscher und Herzog stellen wird. Der jetzige Kaplan steht schon fast wie Rüscher und wird sich in Au bald unmöglich machen. Die Feldersche Partei ist im Wachsen. Lebe wohl. Mit Gruß und Handschlag Dein Freund

F. M. Felder

Keine