VON GEORG FEURSTEIN AUS MÜNCHEN

lfndenr: 
574
17. August 1868

Lieber Freund Felder!

Mit der innigsten Theilnahme eines Freundes habe ich Deine Trauerkunde vom Tod Deiner Lebensgefährtin in Deinem letzten Brief vernommen. Ich kann Dich versichern, daß ich am selbigen Tag, wo ich Deinen verhängnißvollen Brief erhielt, ganz verstimmt war; da ich wußte, daß die Verblichene Dein zweites Ich war, auch in schriftstellerischer Beziehung, gewiß begeisterte sie Dich zu den gefühlvollsten Stellen in den Sonderlingen. Und nun auf einmal ist sie nicht mehr. Villeicht ist sie nur deßwegen so frühzeitig hinüber­gestiegen nach jenen lichten Höhen, um von dort aus Dein dichterisches Schaffen noch mehr zu begeistern. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß Deine poetische Natur sich in diesen zwar sehr harten Schlag wird schicken können. Nach unsern christlichen Grundsätzen hat sie nur eine schönere Gestalt angenommen gleich dem Schmetterling im Mai. - Also tröste Dich wieder mein lieber Freund; leider reichen meine schwachen Gedanken nicht aus, um Dir Trostworte schreiben zu können, da Du ja selbst über das Alltägliche hinaus bist. Ich kann, wie schon gesagt, nur von Herzen bedauern.

Du fragst mich wegen dem Portrait Deiner lieben Frau: Es ist allerdings sehr schwer nach einer kleinen Vothografie zu modellie­ren, allein, ich will es doch versuchen, wenn Du mir eine solche schicken willst. Wahrscheinlich würde sie für ihren Grabstein bestimmt sein. Du schreibst mir also im nächsten Brief dann das Genauere nicht wahr? Bis dahin harrt in herzlichster Theilnahme

Dein aufr. Freund G. Feurstein

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